ME/CFS: Als Simulantin hingestellt – mit geschwärztem Gutachten allein gelassen
Die „Kronen Zeitung“ berichtet: ME/CFS-Betroffene kämpft mit unserer Unterstützung um Anerkennung ihrer Berufsunfähigkeit.
Als Simulantin hingestellt
Christina Seiberl (47) leidet seit acht Jahren am chronischen Müdigkeitssyndrom. Die PVA weist eine Berufsunfähigkeit zurück. Problematisch: Die Unterlagen wurden geschwärzt.
Das Haus in Hirschbach ist aufgeräumt. Es wirkt sauber, obwohl Christina Seiberl nur einmal im Monat putzt. „Zu mehr bin ich nicht in der Lage“, sagt die 47-Jährige, die seit Jahren am ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Müdigkeitssyndrom) leidet.
„Der Tod meines Papas und dass daraufhin die Oma kollabiert ist, hat mich massiv überfordert. Ich musste über einen langen Zeitraum meine Therapie unterbrechen“, erzählt die Mühlviertlerin. Maximal 2000 Schritte am Tag schafft sie. In jedem Zimmer steht ein Hocker für Pausen bereit, den Geschirrspüler ein- und auszuräumen, gleicht einem Kraftakt. Nur zehn Minuten zu stehen, bewirken bei der 47-Jährigen ein Zittern und erhöhten Pulsschlag. „Während des Zähneputzens muss ich drei Pausen machen. Es tut mir leid, wie ich aussehe, ich habe seit zwei Wochen nicht mehr Haare gewaschen.“ All diese Kleinigkeiten wie Körperhygiene stellen für Christina Seiberl eine Belastung dar.
Jürgen Holzinger vom Verein ChronischKrank versucht für sie eine Arbeitsunfähigkeit durchzubringen. Diese wurde von der PVA mit den Worten: „Nach dem Ergebnis der vorgenommenen ärztlichen Begutachtung liegt Berufsunfähigkeit in ihrem Fall nicht vor“, abgelehnt. Ein Psychologe hat einen negativen Bescheid ausgestellt. Das Gutachten wurde jedoch umfangreich geschwärzt.
Verein ChronischKrank unterstützt Patienten
„Frau Seiberl wurde als Simulantin bezeichnet. Aus unserer Sicht haben die Gutachter der PVA keinerlei Ahnung über diese Erkrankungen“, so Holzinger. Der Verein wird vom Steyrer Anwalt Hubert Niedermayr beraten. „Den Betroffenen wird angeboten, persönlich Einsicht in den Akt zu nehmen. Frau Seiberl müsste deshalb zur PVA nach Linz fahren. Das wäre allerdings eine viel zu große Anstrengung. Sie würde dann tagelang zu nichts mehr fähig sein. Was gesunde Menschen schaffen, ist dann oft nicht möglich, weil die Energie fehlt. So wird den Betroffenen praktisch nicht möglich gemacht, ihr Recht wahrzunehmen.“
Aufgeben ist für Christina Seiberl, die derzeit rund 1200 Euro Notstandshilfe bezieht, aber keine Option. „Ich habe in den vergangenen acht Jahren rund 30.000 Euro in Therapien gesteckt. Aufgeben heißt Schmerzen zu haben, dahinzusiechen. Allein der Leidensdruck hält mich aufrecht.“
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